(Quelle: gelesen auf http://www.castro-laboreiro.de)
Haltung von Herdenschutzhunden ...
Wird ein Herdenschutzhund heute als Familienhund gehalten und bekommt wenig Möglichkeit, seinen ursprünglichen Instinkten zu folgen, z.B. hat er wenig Möglichkeit zum ausgiebigen Auslauf, kann er kein "Revier im Auge behalten" und wird nicht ausreichend in die Familie integriert bzw. entsprechend beschäftigt, kann dies böse Folgen haben.
Überlässt man einen Herdenschutzhund in freier Natur weitestgehend unkontrolliert sich selbst, bzw. wird er unsachgemäß nicht seinem Wesen entsprechend aufgezogen, können sich seine "positiven Grundlagen" sehr schnell zu schlechten Eigenschaften entwickeln. So gibt es heute viele HSH, die mit viel Freude allem hinterher jagen, was sich bewegt und somit unkontrolliert von ihrer "Herde" wegbewegen. Auf Grund ihrer hohen Selbständigkeit und ihrer starken Freiheitsliebe kann es dann einige Zeit dauern, bis sie sich wieder zu ihrer "Herde" begeben. Hier ist die starke Kontrolle durch den Halter dringend gefordert. Hat man den "Vertrauensaufbau" einmal geschafft, dann hat man einen wunderbaren Begleiter an seiner Seite, der durch seine Ursprünglichkeit, seine hohe Selbständigkeit, sein feinfühliges Wesen sowie seine ausgeprägte Persönlichkeit besticht.
Entsprechend seinem ursprünglichen Aufgabengebiet und den dazugehörigen rauen Lebensbedingungen ist der Herdenschutzhund äußerst unempfindlich. Seine Fellpflege ist unproblematisch. Zudem wird man bei diesen ursprünglichen Rassen, die sich bei Wind und Wetter mit Begeisterung im Freien aufhalten, häufig mit dem Fehlen des typischen Hundegeruches überrascht.. Eine weitere Besonderheit der Herdenschutzhunde ist ihre Anspruchslosigkeit in Bezug auf die Ernährung. Aufgrund des Nahrungsangebotes in ihren Ursprungsländern, das eher als kärglich bezeichnet werden kann, hat sich ein Hundetyp entwickelt, der sich an eine proteinarme Ernährung angepasst hat und aus einem minimalen Nährstoffangebot das Maximum an Energie herauszuholen vermag. Dies sollte bei der Fütterung berücksichtigt werden, da diese Hunde auf eine Überversorgung an tierischem Protein oft mit allergischen Reaktionen wie Hautproblemen reagieren. Hier ist eine ausgewogene, proteinarme Ernährung für das Wohlbefinden des Hundes unerlässlich. Nicht wenige Herdenschutzhunde sind geradezu gierig nach Milchprodukten (Joghurt, Quark, Kefir) und Getreideprodukten (Brot, Nudeln, Reis).
Ketten- und Zwingerhaltung sind ein Thema das diesem Hund extrem schadet. Hierfür gibt es Hunde, die damit viel leichter klarkommen. Ein Herdenschutzhund an der Kette verkümmert seelisch und wird extrem aggressiv.
Wichtige Tipps im Umgang mit HS-Hunden:
Füttern Sie Ihren Hund niemals mit dem, was Sie gerade essen oder gegessen haben. Füttern Sie Ihren Hund immer, nachdem Sie selbst gegessen haben! Erklärung: Das ranghöchste Tier frisst im Rudel immer zuerst und gibt niemals freiwillig Futter ab.
Lassen Sie Ihren Hund nicht selbstständig bestimmen, wo und wann er auf Ihren Möbeln (Sofa, Teppiche, Bett etc.) liegt und schläft. Bestimmen Sie selbst, wie viel Platz ihm zusteht. Am Besten weisen Sie ihm einen festen Platz (Körbchen) zu. Stellen oder setzen Sie sich selbst gelegentlich auf diesen Platz. Erklärung: Das ranghöchste Tier, in diesem Falle also Sie, bekommt immer den besten Schlafplatz. Der Ranghöchste hat das Recht, sich überall aufzuhalten und seine Lieblingsplätze sind für das rangniedrigere Tier, in diesem Falle Ihr Hund, tabu.
Bürsten Sie Ihren Hund täglich, ob es nötig ist oder nicht. Gestatten Sie Ihrem Hund nicht, erfolgreich Ihre Beachtung zu erheischen. Zeigen Sie nur auf Ihre eigene Initative Zuneigung. Lassen Sie sich nicht von Ihrem Hund zum Spielen drängen! Erklärung: Nur der Ranghöchste hat das Recht, sich jederzeit aufzudrängen. Sie bestimmen ganz allein, wann geschmust und gespielt wird.
Lassen Sie sich von Ihrem Hund während des Spielens nicht kneifen und beißen! Brechen Sie das Spiel sofort ab und ignorieren Sie Ihren Hund eine zeitlang. Erklärung: Jeder Hund muss lernen, seine Beißkraft unter Kontrolle zu halten. Lassen Sie sich außerdem nicht auf eine körperliche Rangelei ein. Ihr Hund könnte, je nach Größe und Kraft, sehr schnell merken, dass Sie ihm unterlegen sind und wird gegen Ihren ranghöheren Status rebellieren.
Wenn Sie und Ihr Hund durch eine Türe gehen, gehen Sie immer zuerst! Ihr Hund muss Ihnen den Vortritt lassen! Üben Sie es anfangs zur Not mit einer Leine. Wenn es sich nicht vermeiden lässt, dass Ihr Hund einmal vor Ihnen durch eine Tür muss, dann geben Sie unbedingt ein entsprechendes Kommando ("Tür voraus" oder ähnliches). Erklärung: Der Chef geht immer zuerst und allen voran!
Steigen Sie nicht über Ihren Hund oder um ihn herum, wenn er im Weg liegt oder steht. Lassen Sie ihn Platz machen. Erklärung: Für den Ranghöchsten macht jeder im Rudel sofort Platz.
Wechseln Sie beim Spaziergang öfter die Richtung, auch, wenn Ihr Hund damit nicht einverstanden ist. Erklärung: Der dominante "Hund" führt immer!
Üben Sie unbedingt täglich das Hunde-Einmal-Eins. Erklärung: Ihr Hund lernt hierdurch, Sie zu respektieren.
Allgemeines
Ein gut erzogener Hund ist eine Freude für den Halter und für die Mitmenschen. Der ideale Hund kommt, wenn man ihn ruft, egal ob Wild, Katzen, Autos, Velos, Radfahrer, Pferde, Jogger oder andere Hunde da sind. Er lässt sich von seinem Besitzer überall anfassen, kämmen, Zähne putzen, Pfoten, Ohren, Augen usw. untersuchen und eventuell verarzten. Er ist stubenrein, kann über mehr oder weniger lange Zeit auch mal allein bleiben, läuft ohne zu ziehen an der Leine und kann vom Tierarzt in Beisein seines Besitzers problemlos behandelt werden. Er kann sowohl in Tram, Bus und Zug, in Restaurants, auf öffentliche, verkehrsreiche Plätze, Kinderspielplätze und in die Ferien ohne Probleme mitgenommen werden. Ein Hund, auch ein HSH, kann das alles lernen.
Die meisten Hunde müssen dies auch lernen, sie können es nicht von sich aus. Ein Hund lernt im allgemeinen gerne. Er muss einfach nur verstehen, was wir von ihm wollen. Wir sollten einen liebevollen Umgang pflegen, aber wir müssen ihm auch Grenzen setzen. Wir sollten ihn oft streicheln und knuddeln, aber wir müssen ihn zwischendurch auch korrigieren.
Ein Hund eignet sich nicht für die antiautoritäre Erziehung, weil er von Natur aus in einem hierarchischen Sozialverband leben muss. Dazu braucht es bei den meisten Hunden zwischen durch eine Korrektur. Wir dürfen aber niemals im Zorn handeln. Das versteht der Hund nicht. Wir sollten für unseren Hund 'Chef' sein. Ein guter Chef schreit nicht herum oder bestraft willkürlich. Ein guter Chef ist liebevoll, hat aber eine klare Linie, die er ruhig und sicher vertritt.
Heute machen viele Menschen das Gegenteil, man erzieht sie überhaupt nicht mehr. Sollte eine Korrektur nötig sein und wir diese auch durchführen, müssen wir keine Angst haben, dass unser Hund uns dann nicht mehr gern hat. Das Gegenteil wird der Fall sein. Ein Führer, der sich durchsetzen kann, einer, der wirklich führen kann, wird von seinem Hund über alles geliebt. Denn bei dem kann er sich sicher fühlen, zu diesem kann er Vertrauen haben. Ohne Respekt ist keine Liebe möglich!
Tut unser Hund etwas, dass wir nicht akzeptieren können, tut er das nicht extra, um uns zu ärgern. Er tut es, weil ihn seine Instinkte und sein bisherigen Lernerfahrungen dazu gebracht haben. Es hat deshalb keinen Sinn, wütend auf den Hund zu sein, sondern wir müssen uns überlegen, wie wir sein Verhalten ändern können. Ein Beispiel: Wir essen etwas. Unser junger Hund kommt und interessiert sich für das Essbare. Eine ganz normale Reaktion. Er schaut uns treuherzig an und winselt vielleicht noch. Wir werden weich und geben ihm ein Stück, er ist ja so herzig. Was hat unser Hund gelernt? Wenn wir etwas essen, bekommt er auch etwas. Ein gutes Gefühl! Gleichzeitig Erlebtes wird verknüpft. Hier haben wir eine positive Verknüpfung. Ein bestimmtes Verhalten wird belohnt. Je nach Ausdauer haben wir von nun an einen Hund, der uns jedes Mal anhimmelt oder noch etwas aufdringlicher wird, wenn wir etwas essen.
Es gibt zwei Arten dem Hund eine Verhaltensweise abzugewöhnen, durch Ignorieren oder Einwirken. Geben wir zum Beispiel unserem jungen Hund prinzipiell nie etwas, wird er mit der Zeit gar nicht mehr kommen, wenn wir etwas essen. Ignorieren funktioniert ziemlich rasch. Bei anderen Gelegenheiten müssen wir vielleicht einwirken. Wenn unser Hund etwas vom Tisch nehmen möchte. Wenn wir das ignorieren, werden wir nicht viel Erfolg haben. Trifft ihn aber etwas, das Lärm macht, am Körper oder fällt neben ihn auf den Boden, wenn er im Begriff ist, etwas vom Tisch zu nehmen, wird er erschrecken. Ein ungutes Gefühl! Er lernt Dinge auf dem Tisch zu ignorieren. Wir können ihn natürlich auch anschreien oder am Halsband wegreissen. Was würde er aber dann lernen? Er könnte lernen, dass wenn wir in der Nähe sind, den Tisch und alles was drauf ist, für uns zu beanspruchen. Aber wenn wir nicht da sind, könnte es sein, dass er dann trotzdem nimmt, was er möchte.
Es gibt also Gelegenheiten, da müssen wir sein Verhalten ignorieren, andere, da müssen wir 'unsichtbar' einwirken, hingegen bei Dominanzproblemen müssen wir direkt auf den Hund einwirken und ihn unterwerfen. Zeigt ein Hund Unsicherheit und wir versuchen ihn mittels Streicheln und sanften Worten zu beruhigen, wird er das als 'Lob' bzw. Zustimmung auffassen und es wird sein Verhalten verstärken. In so einem Fall ist Ignorieren wirkungsvoller. Frisst der Hund Unrat auf der Strasse oder versucht Katzen und anderem hinterher zu rennen, kommt die negative Einwirkung (nicht Strafe) am besten 'vom lieben Gott'. Versucht ein Hund aber, einen anderen Hund oder einen Menschen oder uns selbst anzuknurren oder gar zu beissen, müssen wir selbst einwirken und den Hund z.B. auf den Rücken legen. Wir demonstrieren damit, dass wir stärker sind und wir dürfen dabei auch nicht zimperlich sein.
Ein Hund kann auch massive Einwirkungen, wenn sie berechtigt sind und der Hund versteht, worum es ging, gut verkraften. Der Hund in unserem Umfeld braucht einen guten Alltagsgehorsam, er ist für ihn lebenswichtig. Wir müssen uns darüber im klaren sein, was wir von unserem Hund erwarten. Und wir müssen uns ein Vorstellung davon machen, was machbar ist. Sie werden das Gebet von Friedrich Christoph Oetinger kennen: "Gott, gib mir Gelassenheit, Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann, den Mut, Dinge zu ändern, die ich ändern kann, und die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden." Eines der weisesten Worte unserer Zeit.
Mit der Übernahme eines Hundes, haben wir auch eine Verantwortung übernommen und dies freiwillig. Der Hund ist von uns in vielerlei Hinsicht abhängig. Für einen Hund sind wir ein Leben lang verantwortlich für Futter, Wasser, Liebe, medizinische Versorgung und schlechtes Wetter. Er wird anders als ein Kind nie im Laufe der Zeit unabhängig. Wir sind für sein physisches und psychisches Wohlergehen verantwortlich. Dazu gehört neben ausreichender Beschäftigung, sprich 'Spaziergang' auch der soziale Kontakt, sprich 'Streicheln' und auch das Berücksichtigen einiger unangenehmer Faktoren wie Läufigkeit, 'Weibern' usw. Wir können es uns natürlich einfach machen und den Hund (Rüde oder Hündin) kastrieren lassen. Er oder sie wird umgänglicher, einfacher zu halten, vielleicht sogar anhänglicher usw. Ich bin jedoch nicht der Meinung, dass wir auf der Welt sind, um es sich uns zu einfach wie möglich zu machen. Wir müssen lernen, auf die Natur im Allgemeinen und auf die Natur des Hundes im Besonderen Rücksicht zu nehmen. Mit einer Kastration ist die Produktion der Hormone eingestellt. Hormone sind aber für das physische und psychische Wohlbefinden eines Lebewesen wichtig. Hormonstörungen können Schwindel, Kopfschmerzen, Wallungen, Depressionen und vieles mehr bewirken. Überlegen Sie es sich gut, bevor Sie an dem Ihnen anvertrauten Tier einen solchen schwerwiegenden Eingriff vornehmen lassen. Und glauben Sie nicht alles, was Ihnen Tierärzte erzählen! Sie haben die Verantwortung für Ihren Hund, nicht Ihr Tierarzt!
Alltagstauglichkeit
Was gehört zur Alltagstauglichkeit. Unser Hund muss sich anfassen lassen, überall. Auch dort, wo er es nicht gerne hat. Er muss sich ins Maul schauen lassen, in die Ohren, Zähne putzen lassen usw. Das wird er dann nicht zulassen, wenn er glaubt, uns überlegen zu sein. Er dominiert uns dann und das dürfen wir nicht zulassen. In den selben Bereich gehört das Kämmen, Zecken ausreissen, Verletzungen behandeln usw. Er muss sich von uns auf den Rücken legen lassen und es akzeptieren, wenn wir ihn unten behalten, denn wir sind sein Chef, wir dürfen das und wir müssen das können. Er sollte uns in die Augen schauen können. Nur wenn uns der Hund ergeben in die Augen schauen kann, haben wir wirklich Kontrolle über ihn. Blickkontakt - Kontakt ist wichtig, haben wir keinen Kontakt zum Hund, ist weder Erziehung, noch Bindung möglich. Er soll sich in friedlichen Situationen Fremden gegenüber neutral verhalten. Verhält er sich agressiv, müssen wir das abstellen. An der Leine soll er auch fremde Hunde ignorieren, weder freudig noch aggressiv darauf los springen.
Appell
Das wichtigste für ein harmonisches Zusammenleben bei uns in Deutschland ist ein guter Appell. Ich persönlich möchte einen Hund, den ich in jedem Fall abrufen kann, ob nun Katzen, Wild, Fussgänger und andere Verkehrsteilnehmer, Reiter, Jogger, andere Hunde, läufige Hündinnen oder was auch immer da sind. Ich werde nur zornig, wenn er nicht kommt, wenn ich ihn rufe. Hat mein Hund einen guten Appell (und ein Appell ist nur gut, wenn er immer funktioniert), dann ist der Rest der Erziehung ein Kinderspiel.
"Mein Hund kommt nicht, wenn ich ihn rufe." hört man Hundebesitzer enttäuscht sagen. Aber nicht der Hund ist schuld, wenn er nicht gehorcht, sondern der Besitzer. Jeder Hund muss lernen zu gehorchen, kaum einer wird es einfach machen, nur weil wir es wollen. Der Welpe folgt uns von sich aus ohne Leine. Er hat nämlich Angst alleine zu sein. Langsam wird er älter und sicherer und wird sich auf dem Spaziergang mehr und mehr von uns entfernen.
Eine gute Übung ist, sich unterwegs zu verstecken. Der Hund erschrickt, wenn er uns plötzlich nicht mehr sieht und wird uns suchen und vor allem wird er lernen ab und zu zu schauen, wo wir sind. Er lernt, dass er aufpassen muss, wo wir hingehen. Rufen Sie ihn nie, wenn Sie eine Abzweigung nehmen. Eine gute Appellübung ist auch, sich hinter einen Baum zu verstecken und dann den Hund zu rufen. Das funktioniert meistens sehr gut. Denn wenn er uns ja sehen kann, ist seine Motivation zu kommen, nicht unbedingt gross. Habe ich einen Hund, von dem ich nicht sicher bin, dass er in jeder Situation kommt, lasse ich ihn nicht frei laufen. Ich verwende eine lange Leine. Sie ist auch nützlich, um ein neues Rückruf-Kommando einzulernen. Hat der Hund einmal gelernt ein Kommando zu ignorieren, ist es sinnvoller, ein neues zu nehmen. Die Korrektur läuft wie folgt ab: Ich rufe und 1 Sekunde später zupfe ich an der Leine und lobe dann, wenn der Hund da ist. Funktioniert das bei allen Ablenkungen ohne dass ich zupfen muss, nehme ich eine Schleppleine (ca. 10 m) und hänge die Leine hinten dran. Dann werden wieder alle möglichen Situationen durchgespielt. Kommt der Hund auch bei grossen Ablenkungen, ohne dass ich über die Leine einwirken muss, lasse ich die Leine weg und bleibe nur bei der Schleppleine. Diese hat auch den Vorteil, dass sie sich im Wald verwickeln kann, sollte unser Hund wirklich einmal etwas hinterherjagen.
Diese Leine kann ich, nach Fortschritt des Hundes, immer kürzer machen (z.B. pro Woche minus 1m) bis nur noch ein kurzes Stück am Halsband hängt. Die meisten Hunde fühlen sich dann immer noch unter Kontrolle. Ich habe damit sehr gute Erfahrungen gemacht. Das dauert natürlich teilweise über Monate. Wir müssen uns hier wirklich Zeit lassen, wenn wir später einen Gehorsam erwarten. Wichtig: man soll einen Hund nie strafen, wenn er nach einem "Ausflug" zurückkommt. Das ist richtig bei einem Welpen und Junghund bis ca. ½-jährig. Wenn ich den Hund aber immer lobe, wenn er zurückkommt, auch wenn er eine ½ Stunde weg war, wie soll er dann wissen, das mir das nicht gefällt. Man darf den Hund auf keinen Fall strafen, wenn man ihn irgendwo auftauchen sieht und ihn dann nochmals ruft. Wir dürfen den Hund nicht auf uns zukommen lassen, wenn wir ihn korrigieren wollen. Wir müssen auf ihn zu gehen.
Wie stark eine Einwirkung sein muss, hängt vom Charakter des Hundes ab. Beim einen reicht schon der Griff ins Halsband und ein böses Wort, bei anderen braucht es etwas mehr. Wichtig ist nur, dass wir reagieren und den Hund merken lassen, dass wir zornig sind. Der Hund muss nun beim nächsten Reiz abwägen, ob er seine "Lust" ausleben will (sprich Jagen oder sonst was) und er bereit ist, die Konsequenzen (unseren Zorn und Einwirkung) einzustecken, oder ob er es lieber sein lässt. Das heisst, je grösser die Lust am Jagen, desto stärker müssen wir einwirken. Nach einer Korrektur müssen wir wieder ruhig werden und wir lassen den Hund wieder frei laufen, als ob nichts gewesen wäre. Nach 5-10 m rufen wir den Hund erneut, und dann, wenn er kommt, was sicher meistens der Fall ist, loben wir ihn VON GANZEM HERZEN!!! Wir müssen uns überschwänglich freuen, was für einen guten und lieben Hund wir haben. Das dürfen wir auf keinen Fall vergessen!
Manchmal hört man auch Leute immer wieder im gleichen Tonfall dem Hund rufen. Komm, komm, komm ... Das heisst für den Hund: Brauchst dich nicht zu sorgen, ich bin da, ich bin da, ich bin da ... Ich rufe einmal normal, das zweite Mal bin ich schon ärgerlich, lauter und das dritte Mal rufe ich nur, wenn ich ganz gut gelaunt bin, sonst gehe ich ihn nämlich holen. Und ich muss meist gar nicht weit gehen - dann kommt er mir schon entgegen. Noch besser ist folgendes: wenn Sie Ihn rufen, dann überschwänglich und freudig. Ich gehe in die Knie und rufe z.B. Hej baibeeee, komm baibeee!!
Leinenführigkeit
Ein Hund zieht nicht von Natur aus an der Leine, er lernt es. Er kann nämlich nur ziehen, wenn wir dagegen ziehen. Der Fehler Nr. 1 bei der Hundeerziehung ist, dass wir den Hund ziehen lassen. Dabei kann auch der kleinste Welpe lernen, nicht zu ziehen. Wenn wir ihn nämlich jedes Mal zurückzupfen und die Leine wieder locker hängen lassen, lernt er sehr schnell an lockerer Leine zu laufen oder zu warten. Hat er es einmal gelernt, ist es nicht einfach, ihm das wieder abzugewöhnen. Alles was nur um den Hals wirkt, ist nutzlos, weil der Hund am Hals eine sehr starke Muskulatur hat, die sich durch das Ziehen natürlich noch entwickelt hat.
Raufen
Hat man einen Raufer, kann man eigentlich nicht viel mehr machen, als versuchen, ihn zu kontrollieren. Wenn ich meinen Hund immer abrufen kann, dann kann ich den meisten Scherereien aus dem Weg gehen. Kommt es zur Rauferei und habe ich den stärkeren Hund, greife ich ein und hole ihn herunter, habe ich den unterliegenden, dann greife ich nur ein, wenn es ernst wird, das heisst wenn mein Hund Gefahr läuft, wirklich verletzt zu werden. Hingegen kann man viel für die Prävention machen, einen Raufer zu vermeiden. Wenn ich mit meinem jungen Hund in Welpenprägungsspieltage gehe und auch nachher dafür sorge, dass mein Hund mindestens einmal pro Woche Kontakt mit anderen Hunden (Rüden und Hündinnen) der gleichen und/oder einer jüngeren oder älteren Altersklasse hat, und so die Gelegenheit hat, ein gutes Sozialverhalten zu lernen, wird er es selten nötig haben, zu beissen sondern wird es bei Drohgebärden belassen.
So etwas hat er noch nie getan, so kenne ich meinen Hund gar nicht", solche oder ähnliche Entgegnungen kennt wohl jeder Hundehalter von den täglichen Spaziergängen, wenn sich der geliebte Schmusehund auf einmal wie Rambo persönlich aufführt, knurrt und bellt, als ob er das Gegenüber am liebsten augenblicklich verspeisen möchte. Wie gut, daß er angeleint ist.... wirklich???
Wohl nur wenige Hundehalter machen sich die Mühe, das Verhalten ihres Hundes wirklich genau zu beobachten und zu analysieren. Dabei könnte man unnatürliche Aggressionsformen damit in einer frühen Phase erkennen und ihnen entgegenwirken. Aggression als solche wird von uns Menschen - bis auf wenige Ausnahmen, zum Beispiel in einigen Bereichen des Hundesportes - als negativ und gefährdend empfunden. Im Hundesport macht man sich ein natürliches Verhalten zu eigen und fördert es. Auf der Straße hingegen ist ein solches Verhalten unangenehm, striktes Gehorsam ist angesagt - welcher Hundehalter fragt da schon nach dem "warum" der Reaktion seines Vierbeiners.
Aggressionen sind ein umfassendes Gebiet und gehören in den normalen Ausdrucksbereich der Hunde. Eine Aggression wird aus vollkommen unterschiedlichen Gründen ausgelöst, mit denen sich der Hundehalter aber im allgemeinen leider nicht beschäftigt. Man könnte folgende Aggressionen unterscheiden:
Unterdrückte Handlungen und Konflikte
Reaktionen der Überforderung
Dominanzverhalten
Gebietsansprüche
Angstaggressionen
Rudelverteidigung
Übrige Aggressionsgründe
Unterdrückte Handlungen und Konflikte
Bei Rudeltieren, zu denen auch die Hunde zählen, haben sich diverse Bewegungsabläufe entwickelt, die als Signale die übrige Sprache" ergänzen. Das Wegdrehen des Kopfes zum Beispiel sorgt dafür, daß der Aggressionspegel des Angreifers sinkt. Denn Augen und Gesicht, mit denen Drohungen hauptsächlich ausgedrückt werden, werden vom Angreifer abgewendet, der herannahende Konflikt im Keim erstickt. Ein Hund, der von einem anderen angegriffen oder bedroht wird, kommt in einen Konflikt zwischen Angst einerseits und Aggression andererseits. Die Aggression kann sich, wenn der Gegner übermächtig erschient, gegen etwas vollkommen anderes richten, das der Angegriffene als weniger bedrohlich erachtet. Das kann ein weiterer, dritter Hund sein, aber auch sein Besitzer, der ja normalerweise als nicht gefährlich betrachtet wird. Ein derart zurückgerichtetes Verhalten muß sich nicht unbedingt in Aggression äußern, sondern auch in anderen Verhaltensformen. Ein Hund, der zum Beispiel vor einer bevorstehenden Begrüßung mit einem anderen Hund Angst verspürt, könnte verstärkt den Kontakt zu seinem Besitzer suchen.
Reaktionen der Überforderung
Eine Seite des Konfliktes, die teilweise vollkommen unmotiviert und für uns unerklärlich auftaucht, sind die Reaktionen der Überforderung. Ein Hund, der sich in einem Konflikt zwischen Angst und Aggression befindet oder zwischen Angst und Neugierde, beginnt auf einmal, seine Nase zu lecken, sich zu kratzen, zu gähnen oder sich zu strecken. Dies sind die häufigsten Anzeichen, daß der Hund mit der Situation überfordert ist. Wenn Sie Ihren Hund und dessen Reaktionen genau beobachten, werden Sie schnell die kritischen Situationen erkennen und ihm in diesen Momenten Hilfestellung geben können.
Dominanzverhalten
Sobald ein neues Rudel entsteht, neue Mitglieder in ein bestehendes Rudel hineinkommen oder wenn das Rudel beginnt, den Rang des Alphatieres in Frage zu stellen, entstehen bedrohliche Situationen oder gar Kämpfe. Die Einleitungen zu solchen Auseinandersetzungen erlebt der Hundehalter fast täglich, wenn er mit seinem Hund spazieren geht und die Hunde frei herumlaufen. Einige Hunde sind sehr empfindlich und unsicher, wenn es darum geht, sich einzufügen, andere können sich auf Anhieb problemlos anpassen.
Grundsätzlich ist es so, daß sich gut sozialisierte Tiere sofort zurecht finden, auch wenn es für den Zuschauer gefährlich aussieht. Aber nicht jeder Hund findet sich sofort mit seinem" Rang" ab, so daß es durchaus zu Kämpfen kommen kann, die im allgemeinen aber nur kurz sind. Das Problem mit dieser natürlichen Herstellung einer Rangfolge hat im allgemeinen nur der Besitzer. Insbesondere wenn kleine und große Hunde aufeinandertreffen, haben die Besitzer mehr Probleme mit der Situation als die Hunde selber. Leider kann man als Besitzer nie erkennen, ob man es mit einem gut sozialisierten Gegenüber zu tun hat. Das Anleinen seines Hundes kann in manchen Situationen durchaus ratsam sein.
Dominanzaggressionen können aber auch innerhalb der Familie entstehen, da der Hund die Familie als sein Rudel betrachtet. Es ist daher absolut wichtig, dem Hund seinen Rang im Rudel so früh wie möglich und so deutlich wie möglich zuzuweisen. Ansonsten können die Dinge schnell einen unangenehmen Ausgang nehmen. Hat der erst einmal die "Rudelführung" übernommen, ist es sehr schwierig, die Rangfolge wieder zu ändern. Hierzu ist unbedingtes konsequentes Verhalten aller Familienmitglieder notwendig. Und wenn diese das bisher nicht an den Tag legen konnten, ist es fraglich, ob sie es mit dem notwendigen Durchsetzungsvermögen durchführen können. Fachkundige Hilfe kann in diesem Fall ratsam sein. Eine Dominanzaggression innerhalb der Familie erkennt man zum Beispiel daran, daß der Hund seinen Platz knurrend verteidigt oder sogar nach den Familienmitgliedern schnappt. Wichtig ist, die Rangführung des Hundes jetzt anzufechten. Ein Hund wird nicht als Rudelführer geboren, er übernimmt diese Rolle nur, wenn ihm die anderen Mitglieder zu schwach erscheinen.
Ist eine solche Situation der Rudelführung des Hundes eingetreten, ist leider in den meisten Fällen nach Ansicht der Besitzer der Hund schuld und dieser landet im Tierheim, da ein solcher Hund innerhalb der Familie als Gefahr angesehen wird. Das Fatale ist, daß diesen Besitzern mit dem nächsten Hund das gleiche Schicksal widerfahren dürfte.
Gebietsaggression
Das Gebiet ist die Gegend, die der Hund gegen jegliche Eindringlinge verteidigt. Der Hund bellt an der Tür oder am Grundstückszaun, wenn sich jemand nähert. Diese natürlich Aggressionsform wurde ebenfalls in vielen Fällen als wünschenswert angesehen und es wurde gezielt gezüchtet, um diese Wesenseigenschaft zu erhalten bzw zu verstärken. Wachhunde, die nachts frei auf einem Gelände herumlaufen, sind das beste Beispiel dafür. Auch hier lauern Gefahren, daß der Hund die Eigenschaft, sein Territorium zu verteidigen, unangenehm verstärkt und ihn zu einem Problem werden läßt. Ein Hund, der bellt, wenn jemand am Grundstück vorbei geht, muß korrigiert werden, ansonsten wird er das nächste Mal noch provozierender bellen. Er bekommt mehr und mehr Selbstvertrauen, denn der Eindringling" verschwindet ja, wenn der Hund bellt. Mit jedem Passanten verbucht der Hund einen Sieg. Der Hund lernt, daß Bellen und Knurren sehr effektive Handlungen sein können. Eine Korrektur könnte folgendermaßen aussehen: Sie lassen Ihren jungen Hund in den Garten. Er beginnt zu bellen. Gehen Sie s o f o r t hinaus, sagen Sie kein Wort, keine Geste. Schauen Sie - wenn nichts Gravierendes ist, drehen Sie sich wortlos um und kehren zurück ins Haus. So lernst der Hund Ihnen eine "Warnung " zu vermitteln - aber SIE entscheiden, ob Handlungsbedarf besteht. Wenn Sie das ein paar mal getan haben, wird er Fußgängern bspw. gar keine große Beachtung mehr schenken. Sie haben ihm beigebracht: Fußgänger, die am Grundstück vorbei gehen sind ok. Keine Aufregung wert. Der Hund wird deshalb schon bald nicht mehr bellen. Einwirken heißt nicht immer Schimpfen - sondern souverän, der Situation entsprechend, handeln.
Angstaggression
Aggressionsform ist nur sehr schwer beizukommen. Wenn ein Hund Angst bekommt, versucht er, vor dem Grund davonzulaufen. Das ist das natürliche Verhalten seiner wölfischen Vorfahren. Er läuft so weit davon, bis er sich in Sicherheit glaubt. Wenn sein Fluchtweg versperrt ist, bleibt dem Hund nur ein Ausweg, dem Angstobjekt zu entkommen: indem er es angreift.
Sogenannte Angstbeißer sind Hunde mit einer sehr schlechten nervlichen Konstitution. Es ist sehr schwer, einer solchen Form von Aggression beizukommen. Die "Behandlung" kann darin bestehen, das Selbstvertrauen des Hundes langsam aufzubauen, indem man ihn mit unbekannten Hunden und Personen konfrontiert und versucht, die Angst des Hundes durch Ablenkung, Unterbrechungen und Loben zu überspielen. Sinnvoll kann es auch sein, den Hund durch Unterordnungsübungen abzulenken.
Rudelverteidigung
Eine Kombination aus Angst, Unsicherheit und Dominanz kann dazu führen, daß ein Hund seinen Besitzer, seine Familie und die Kinder vor Fremden verteidigt. Er fühlt sich für sein Rudel verantwortlich und es ist ihm durch die Zugehörigkeit zum Rudel auch nicht gestattet, wegzulaufen und Mitglieder im Stich zu lassen". Also greift er an.
Die Rudelverteidigung kann aber auch ein reines Dominanzverhalten sein. In diesem Fall ist es wichtig zu versuchen, die Angst des Hundes zu verringern und ihm verständlich zu machen, daß der Rang der übrigen Familienmitglieder höher ist. Damit liegt es im Verantwortungsbereich der Familie, die Maßnahmen zu ergreifen, die für den Rudelschutz notwendig sind. Wenn der Hund zum Beispiel angreift, wenn ein normalerweise "ranghöheres" Familienmitglied anwesend ist, ist ein solches Dominanzverhalten gegeben. Der Hund muß hier zurecht gewiesen werden, um ihm seine niedrige Rangfolge klar zu machen.
Andere Aggressionsgründe
Aggressionen können aber auch aus anderen als den vorgenannten Gründen entstehen. Es ist immer schwierig, Aggressionen zu begegnen und sie zu beseitigen. Es ist in jedem Fall wichtig, in einem frühen Stadium um Hilfe zu bitten. Aggressionen können zum Beispiel auch durch Schmerzen und Streß ausgelöst werden. Wenn ein Hund auf einmal nach seinem Besitzer schnappt oder ihn beißt, der sich bisher als zuverlässig erwiesen und kein derartiges Verhalten gezeigt hat, sollte man klären, ob nicht ein gesundheitlicher Grund vorliegt. Ein schmerzender Zahn zum Beispiel kann durchaus zu einer solchen Reaktion führen. Hierbei ist die Behandlung einfach. Bei allen anderen Aggressionsgründen ist es jedoch sehr schwierig.
Viele Handlungen des Hundes, die für uns unlogisch und gefährlich erscheinen, sind in dem natürlichen Verhalten begründet. Und sie werden verständlich, sobald man sich eingehend mit dem Wesen des Hundes beschäftigt.
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